Tank elektro-chemisch entrosten

Wenn die braune Pest wütet, so wie bei diesem Tank, ist es noch nicht zu spät, aber Zeit zu handeln.
Eine von vielen Lösungen ist das sogenannte elektrolytische Reinigen bzw. Feinreinigen. Bei den Profis wird es meist als letzter Reinigungsschritt vor einer galvanischen Beschichtung eingesetzt. Das Prinzip ist recht einfach und taugt auch für den Heimgebrauch.

Das zu reinigende Bauteil wird einem Elektrolyten (Flüssigkeit) ausgesetzt. Dann wird eine elektrische Gleichspannung angelegt und das Bauteil entweder als Anode (nimmt freie Elektronen auf) oder als Kathode (gibt freie Elektronen ab) geschaltet. An der Anode bildet sich Sauerstoff und an der Kathode Wasserstoff. Die sich auf der Metalloberfläche bildenden kleinen Bläschen sprengen die Schmutzschicht, in unserem Fall den Rost, ab, der in das Elektrolyt übergeht und langsam zur Anode wandert. Dort lagert er sich schließlich ab und kann entfernt werden. Zurück bleibt eine metallisch saubere Oberfläche an der Kathode - unserem Tank, hurra!

    

Was man dazu benötigt, 
ist meist in jeder Schrauberwerkstatt oder im Haushalt vorhanden. Als Stromquelle kann man ein Batterieladegerät (B) oder ein Netzteil mit etwa 2 bis max. 10 A verwenden, das die Gleichspannung liefert.
Als Anode (A) eignet sich eine Gewindestange (z.B. M6), die so gebogen wird, dass sie durch den Einfüllstutzen geschoben werden kann und gut in den Tank passt. Am oberen Ende wird sie mit einem Spraydosendeckel aus Kunststoff verschraubt, der die Anode gegenüber dem Tank (Kathode) isoliert.

Das Geheimnis ist der Elektrolyt (E), welcher den ganzen Prozess erst ermöglich. Hobbyschrauber greifen dabei gern zu einfacher Waschsoda, denn die besteht zum größten Teil aus Natriumkarbonat - einem hervorragenden Elektrolyt, der nicht stinkt und nicht ätzend wirkt.
Im Bild zu sehen ist "Arm & Hammer Super Washing Soda". Genauso gut funktionieren Produkte wie beispielsweise "dm REINE SODA"; "Holste Waschsoda" (Rossmann), "REWE Waschsoda", "Christiane Hinsch Waschsoda" oder "Heitmann Reine Soda".
Das Pulver wird nach der Anleitung auf der Packung einfach in Wasser aufgelöst. Eine etwas sattere Lösung ist dabei auch in Ordnung.
    

Aufbau der "Reinigungsanlage"
Um Lackschäden zu vermeiden, wird der Tank gut in Kunststofffolie eingepackt und an den Rändern mit Klebeband verklebt. Der Benzinhahn wird ausgebaut und stattdessen eine passender Blechstreifen (1,5 - 2 mm) sowie eine Gummidichtung (Fahrradschlauch) verschraubt. An eine der Schrauben wird die negative Klemme der Gleichstromquelle befestigt. Der Tank wird so zur Kathode. Die positive Klemme wird an die vorbereitete Anode geklemmt und zwar an ein überstehendes Ende der Gewindestange. Jetzt kann man den Elektrolyt in den Tank füllen und die Stromquelle anschalten.

Tipp: Wenn man auf die Gewindestange noch zwei Muttern schraubt und diese kontert, wird diese nicht beschädigt und man kann sie später jederzeit zum Wechseln demontieren.
    

Gut Ding braucht Weile.
Nach dem Anlegen der Spannung wird zunächst ein relativ hoher Strom fließen, der sich jedoch nach kurzer Zeit auf einen niedrigeren Wert einpendelt.
Das Bild zeigt die Anode nach etwa 2 Tagen in dem doch sehr verrosteten Tank.  Es haben sich einige Ablagerungen gebildet, die entfernt werden müssen, um den Prozess zu beschleunigen.  
Mit sauberer Anode sollte man so lange weitermachen, bis die Anode keine weiteren Ablagerungen zeigt. Die Reinigung wird je nach Menge des Rostes zwischen 1 bis 3 Tagen dauern.

    

Einer muss nachgeben.
Wenn die Ionen bei dieser Methode so hin und herflitzen, muss jemand darunter leiden. Hier ist es unsere Anode, die sich langsam auflöst (Pfeile). Wird sie zu dünn, sollte man sie ersetzen.
Man erkennt in dem Bild auch sehr gut ihren einfachen Aufbau: Eine gebogene Gewindestange, die über Scheiben und Muttern mit dem Kunststoffdeckel verschraubt ist.
   
Ist der Tank entrostet, muss er gesäubert, getrocknet und möglichst versiegelt werden. Wie das geht, wird am Ende dieser Beschreibung erklärt.

Zu guter Letzt noch die unvermeidlichen Sicherheitshinweise:

  • Der wichtigste ist: Lass dir Zeit. Wer schnell-schnell macht, riskiert seine Gesundheit und das Ergebnis ist auch nicht das Beste.
  • Den Tank entleeren und gut ablüften lassen, so dass keine Kraftstoffdämpfe entstehen können. Ist der Tank stark oder bereits durchgerostet (Blasen an der Außenfläche) kann er nicht mehr gerettet werden.
  • Der Elektrolyt kann die Augen und die Haut reizen. Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und einen Arzt konsultieren. Wird das Pulver oder die Lösung verschluckt, muss sofort reichlich Wasser oder verdünnter Zitronensaft getrunken werden. Dies verdünnt bzw. neutralisiert die alkalische Brühe. Und bei Beschwerden ist der Weg zum "Onkel Dok" ein Muss.
  • Den Elektrolyt kann wiederverwendet werden. Wenn man es eine Weile lagert, setzt sich der Schmutzschlamm ab und man kann die klare Flüssigkeit abgießen.
  • Will man den Elektrolyt loswerden, kann er mit sehr viel Wasser verdünnt in die Kanalisation geleitet werden, denn es ist ja eigentlich ein Waschmittel. Größere Restmengen des Waschsodapulvers sollten unter Beachtung der örtlichen behördlichen Vorschriften einem geeigneten Entsorgungsweg zugeführt werden. Und niemals in der Nähe von Säuren, Zink oder Aluminium lagern.
  • Beim Hantieren mit dem Batterieladegerät oder dem Netzteil immer erst den Netzstecker ziehen, damit sich keine Funken oder Kurzschlüsse bilden können.
  • Während der Reinigung bilden sich Gase, nämlich Sauer- und Wasserstoff. Letzterer ist explosiv und hat als Knallgas einen berühmt-berüchtigten Ruf. Also sollte man auf eine gute Belüftung des Raumes achten, in dem man arbeitet. Auch niemals die elektrischen Anschlüsse lösen, ohne vorher den Netzstecker zu ziehen. Sonst könnte es ganz unvermittelt furchtbar rummsen!
  • Nicht vergessen: Hier läuft ein elektro-chemischer Prozess ab. Wenn sich bei der ganzen Sache zuviel Wärme bildet, muss man unterbrechen und warten, bis alles wieder kühl ist. Also die Arbeit der "Reinigungsanlage" öfter mal kontrollieren!

© Text: Michael, Bilder: Mr. kwright (25.08.12 )    [Start]
Der Text basiert auf einem Schrauberartikel von Cliff, der mir die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung gegeben hat. Auf seiner Website findet man viele weitere Tipps rund um die SUZUKI GS.