SUZUKI GS 650 Turbo (XN 85) - Fahreindrücke

Wie sich dieser Hammer bewegen ließ, liegt für die meisten Biker im Dunkeln, denn es gab sehr wenige Bikes und in deutschen Landen wurde die XN 85 kaum getestet. Doch in den USA, in Frankreich und in England lies man den Turbo ordentlich drehen und so existieren viele Testberichte.
Obwohl die amerikanischen Biker per Gesetz auf 90 km/h heruntergebremst wurden, waren sie dennoch genauso leistungshungrig, wie wir Europäer. So wurde die Turbo-Suzuki dort begeistert aufgenommen. Nicht zuletzt wegen ihrer vielen technischen Highlights.
Sie ritt auf der Turbowelle, doch sie war komplett anders als ihre Vorgänger, die Honda CX500TC Turbo und die Yamaha XJ650LJ Turbo. Während diese so eine Art Sport-Tourer darstellten, war die Suzuki ein kompromissloser Sportler.
   
Sie besaß das erste Großserien-16-Zoll-Vorderrad, Stummellenker, nach hinten versetzte Fußrasten und diese phantastische Hinterradaufhängung mit einem Einzelfederbein - alles direkt vom Rennsport entlehnt.

Wenn sie kommt, dann ... !
Der Motor war für die meisten Tester ein Rätsel und eine Erleuchtung zugleich. Bis 5.000 1/min erschien er eher lahm und die XN 85 wurde von den meisten gut gehenden 750er in der Beschleunigung auf den ersten Metern geschlagen. Bis 100 km/h hatte eine normale GS 1000 ebenfalls die Nase vorn.
Wurde die magische Marke - und das Turboloch - jedoch überschritten, stürmte sie vorwärts. Dabei erwachte die Suzuki zwar etwas zahmer zum Leben als andere Turbo-Maschinen, zeigte aber deutlich, wozu sie gemacht war: Geschwindigkeiten jenseits des erlaubten Landstraßen-Limits!
Die lange Entwicklungszeit zahlte sich in zweierlei Hinsicht aus: Die Leistung blieb auch für Normalos beherrschbar und an der Zuverlässigkeit mussten keine Abstriche gemacht werden.

Keine kann's in den Kurven besser.
Das konstatierten die Tester von Motorcyclist im Januar 1983. Das Handling und die Stabilität in schnell gefahrenen Kurven, war über alle Zweifel erhaben. 
Mit der XN 85 konnte man richtig zur Sache gehen und wer die Traute hatte, der konnte Schräglagen erreichen, die nur durch die aufsetzenden Krümmer begrenzt wurden.
Am wohlsten fühlte man sich auf der Suzuki aber bei Reisegeschwindigkeiten jenseits von 120 km/h, denn dann erfüllte die supersportliche Sitzposition ihren Zweck und die Oberarme wurden vom Winddruck entlastet.

Mit all diesen guten Genen ausgestattet, hätte die XN 85 den Siegerkranz verdient. Sie war technisch absolute Spitze, zuverlässig und schnell - aber es sollte nicht sein.
Sie fiel bald dem ehernen Grundsatz zum Opfer, der da heißt: "Nichts geht über Hubraum".

© Michael (24.01.04 )    [Start]