SUZUKI GS 550 M - Fahreindrücke

"Katana"  war der Name für ein besonders scharf geschliffenes Samurai-Schwert. Mit der 550er Katana besaß Suzuki tatsächlich eine scharfe Waffe in der heiß umkämpften Mittelklasse. Schon optisch wirkte 1981 die Neue aggressiv. Aber ob sie mehr als ein reines Showbike war, mußte sie in einigen Tests beweisen.
Die Eindrücke waren meist positiv. So wurde dem Motor bescheinigt, daß er überdurchschnittlich leise und beherzt zu Werke ging. Ein besonders schnelles Exemplar ging 187 km/h, bis 100 km/h schaffte sie es in 4,8 Sekunden, und die 400 Meter mit stehendem Start waren nach 13,6 Sekunden abgehakt.
Kleine Samurai-Turbine
Nach dem Druck auf den elektrischen Anlasser erwachte die Suzi mit einem heiseren Viertaktbellen. Die butterweiche Kupplung mit gutem Druckpunkt und der korrekt einrastende erste Gang verhalfen ihr zu einem guten Start. Trotz Hubraum-Manko zog die Katana schön von unten heraus hoch, sauber und schnell. Klaglos drehte der Motor bis an den roten Bereich von 10.000 Touren heran. Wer's gemütlicher wollte, konnte bereits bei 5.000 bis 6.000 1/min schalten und erhielt immer noch eine ausreichende Beschleunigung.
Mehr als 180 km/h waren also immer drin. Daran hatte das gut abgestufte Sechsganggetriebe und ein - für damalige Standards - üppiges Drehmoment seinen Anteil. Also die beste 550er? 
Auch wenn er Spaß machte, hatte der Motor gegen die neu konstruierte Konkurrenz letztendlich keine Chance. In einem Vergleichstest (PS 10/1981) mußte sich die Katana 550 der Kawasaki Z 550 und Yamaha XJ 550 stellen. Sie verlor gegen die Vierventil-Übermacht, da sie nicht die Schnellste war und obendrein zu teuer geraten war. Doch einen echten Katana-Ritter störte das nicht: Wem kam es schon auf beste Leistung oder günstigster Preis an - bei dem Aussehen!
   
Das Fahrwerk - hart und sportlich
Am Fahrwerk gab es kleine Besonderheiten. Die Telegabel hatte eine Basisverstellung, wie sie auch bei der GS 850 verwendet wurde. Bitter nötig, denn die Vordergabel war trotz leicht progressiver Federn  zu weich. Vor allem beim Bremsen aus hohem Tempo tauchte sie tief ein, was sich mit der Justierung der Federn etwas verbessern lies.
Die Lenkung war in soliden Kegelrollenlagem geführt und die Schwingenlager hatten Nadelbüchsen. Zwei Federbeine mit fünffacher Basisverstellung, 100 mm Federweg und vierfach einstellbarem Dämpfungsgrad waren hart, aber dem Verwendungszweck gut angepaßt - und der war eher sportlich.
Fahren mit der GS 550 M war ein echtes Vergnügen. Leicht und neutral lies sie sich durch Kurven schwingen. Sie fiel weder hinein, noch mußte sie heruntergezwungen werden. Auch Hochgeschwindigkeitspendeln kam nicht vor, wenn man gute Reifen aufgezogen hatte. So konnte man das Handling als exzellent bezeichnen. Allerdings setzte auf der linken Seite der Hauptständer hart auf und bescherte manch kritische Situation, wenn man die Katana ordentlich fliegen lies. 
Wegen des geringen Federwegs war der Fahrkomfort nicht besonders gut, eben zum sportlichen Fahren ausgelegt. Was damals den einen oder anderen verwunderte, war die Sitzposition: Obwohl die Sitzhöhe mit 760 mm im normalen Bereich lag, empfand sie der Pilot meist höher. Der relativ tiefe Lenker, die muldenförmige Sitzbank und die hohen, weit hinten liegenden Fußrasten ergaben eine geduckte, rennmäßige Position, die jedoch zum Charakter dieses Motorrads paßte. Nur der Beifahrer mußte leiden, da er auf dem Höcker wie auf einer "Marterbank" tronte. Der Ruf nach einer komfortablere Bank für zwei Leute sollte später von Suzuki und der Zubehörindustrie erhört werden.
    
Drei Scheiben für die Sicherheit
Stets als überdurchschnittlich gut wurden die Bremsen beurteilt. Die Katana besaß deren drei mit 275 mm Durchmesser. Da sie gut dosierbar waren und einen definierten Druckpunkt hatten, reichte das für alle Eventualitäten. Kritisiert wurde lediglich die Anbringung der vorderen Bremssättel. Die waren nämlich so ausgelegt hat, daß man sie beim Radausbau jedesmal mühsam von der Gabel schrauben mußte.
   
Normalität frech verpackt
Alles in allem war die Suzuki Katana 550 ein technisch herkömmliches Motorrad mit bewährtem Triebwerk, ein paar nützlichen Neuerungen und einem aufregenden Styling. Geschmack ist subjektiv, doch den meisten Testern hat sie gefallen. 
Schade, dass die kleine Vierzylindermaschine stets im Schatten der erfolgreichen, größeren Schwestern stand. Bei den Zulassungen  hatten die 650er, 750er und die 1100er die Nase vom. Die 550er spielt immer das Mauerblümchen.
Trotzdem hatte sie sehr viele Tugenden, so daß sie auch heute noch erstrebenswert ist. Und eines ist sicher:
Wer Katana fährt, fällt auf. Und das ist schließlich ein schlagendes Argument.
   

Foto: Herzog (für die Veröffentlichung liegt mir die freundliche Genehmigung des Motor-Presse-Verlags vor)
© Text: Michael (04.10.03 )    [Start]