SUZUKI GSX 1100 S - Fahreindrücke

"Technik sichtbar und fühlbar machen und die Funktionalität verbessern": Das war die Philosophie, die target Design mit der GSX 1100 S umsetzen wollte. Im April '80 begann man mit dem 1100er-Projekt und der erste Prototyp war drei Monate später fertig. Die Katana wurde ein Erfolg und ein zuverlässiges Motorrad obendrein. Auch bei Kilometerleistungen jenseits von 50.000 im harten Alltagsbetrieb gab es kaum Probleme.
    
Bumms ohne Ende - ein Bulle von Motor
Der Antrieb war bereits damals ein bewährtes Aggregat aus der Ur-GSX. Eine leichte Überarbeitung des rollengelagerten Vierzylinders äußerte sich besonders in seiner fulminaten Kraftentfaltung. Der Motor mit dem Vierventil-Zylinderkopf hing noch einen Tick präziser am Gas und entwickelte auch mehr Kraft in mittleren Drehzahlen.
Die Katana konnte damit - obwohl getriebeseitig auf über 220 km/h Spitze übersetzt - schon bei einem Tempo von 40 km/h im großen Gang ruckfrei und ohne verschlucken hochbeschleunigt werden.
Das ging aber nicht zu Lasten einer enormen Spritzigkeit.  Ab 4.500 U/min zog sie ungehemmt an und drehte in den unteren Gängen locker bis 9.000 U/min (Beginn roter Bereich).
Durch den perfekten Durchzug fiel auch der recht große Sprung zwischen erstem und zweitem Gang kaum auf. Das Getriebe war damit die beste Schaltzentrale der damaligen Big-Bikes: Kurze Schaltwege, exakte Arretierung, geringer Kraftaufwand beim Schaltvorgang. Nur beim Einlegen des ersten Gangs war ein deutliches Krachen zu hören.
   
Extrascharf - das exzellente Handling
Trotz langem Radstand und Nachlauf war die GSX gierig nach Schräglagen, in die sie leicht gebracht werden konnte. Die gute Sitzposition und Gewichtsverteilung war ein Garant für flotte Kurvenhatz.
Erst einmal in Schräglage folgte die Katana stoisch jeder Kurve, ohne träge zu wirken. Korrigieren konnte man sie jederzeit durch leichte Gewichtsverlagerungen oder Lenker-Bewegungen.
Bei normalen Landstraßen-Geschwindigkeiten blieb das Fahrwerk stets ruhig, nur auf abgefahrene Reifen reagiert die Katana mit kräftigen Wacklern.
Trotz straffer Federungs- und Dämpfungsabstimmung wurden die Federwege gut ausgenutzt, wenn die Gabel-Vorspannung auf Stufe eins, die Federbeindämpfung auf der niedrigsten Stufe und deren Vorspannung auf der zweiten Stufe eingestellt wurden.
Durch das gute Fahrwerk verlor man bei Autobahngeschwindigkeit schnell das Gefühl für die tatsächlich anstehende Geschwindigkeit - bis Kurven und Querrillen auftauchten. Dann wurde die Front unruhig, der Lenker zitterte leicht, und ein unproblematisches Rühren ging durch das Bike, wenn das Gas nicht geschlossen wurde.
   
Teils, teils - die Bremsen
Von Natur aus war die Katana mit sehr guten Stoppern gesegnet. Lediglich in Kombination mit dem Anti-Dive-System (ANDF) ergab sich ein zwiespältiger Eindruck. Theoretisch verhinderte Anti-Dive ein allzu starkes Eintauchen der Gabel, erhöhte damit die Einlenk-Präzision und sollte exaktes Bremsen ermöglichen.
Die Katana erreichte mit der vorderen Doppelscheiben-Anlage zwar gute Verzögerungswerte, aber der Druckpunkt war nicht exakt zu lokalisieren.
Der hintere Stopper, als Einscheiben-Anlage ausgeführt, wußte hingegen zu gefallen - solange man es nicht übertrieb. Hektisches Herunterschalten und gleichzeitiges Bremsen führte auch mal zu Hinterrad-Stempeln.
   
Fazit: Eine Maschine, die Maßstäbe setzte
In der 1100er-Klasse war die GSX 1100 S Katana eindeutig Spitze. Bulliger Motor, exzellentes Fahrwerk, exklusives Aussehen und - für die Kurvenhatz - perfekte Sitzposition: Wer konnte sonst eine solche Kombination bieten? Nur Suzuki.

© Michael (04.10.03 )    [Start]