Volker ist vom alten Schlag

Ich bin zwar erst 21, sehe mich selbst aber als Motorradfahrer bzw. -schrauber vom alten Schlag: Ich will kein Motorrad, das ich (technisch) nicht kenne und verstehe und das ich für jede Arbeit aus den Fingern geben muss.
Mit 18 bekam ich durch Zufall von einem Kumpel das Angebot eine SUZUKI GS 400 Black Suzi für 100 EUR samt Tauschmotor, Felgen, Federbeinen, Vergaserbrücke, etc zu kaufen. Zur Besichtigung hab ich dann natürlich einen Anhänger mitgenommen und den Bock auch direkt gekauft.
Nach dem Tausch der Flüssigkeiten, der Zündkerzen und Reinigung der Vergaser sprang die Maschine auch direkt an. Es folgte sechs Monate unbeschwerter Lust am Motorradfahren, putzen und pflegen. 

Mein Übermut verleitete mich jedoch stets zu früh und zu viel Gas zu geben, bis mich ein Kolben belehrte, dass es so nicht weiter gehen kann. Der Kolbenfresser war recht schnell behoben, da ich ja den Austauschmotor hatte. Aber mein Lehrgeld hatte ich bezahlt.
   

Mein Vater kaufte sich dann auch wieder ein Motorrad: 
eine Yamaha XS 400 samt Teileträger. Kaum hatte ich das Moped auch wieder flott gemacht, interessierte mich der Teileträger immer mehr. Nur 35000 km, Stummellenker, na ja und billig. Ich hab dann den "Schrotthaufen", wie mein Vater das Krad liebevoll nannte gegen meine alte, gute Simson SR50 getauscht. Was hatten mein Kumpel, stolzer Besitzer einer Florett, BJ 63, und ich doch für einen Spaß - immerhin ist die Simme so in der Familie geblieben.
Zu dieser Zeit bestritt ich meinen Wehrdienst im Instandsetzungszug als glücklicher kleiner Obergefreiter, der den ganzen Tag mit Uffzen, Stuffzen und Mannschaftern Benzingespräche führen konnte. 
Da meinem Vater die XS zu ruppig war, er es mit den Bandscheiben hat und das Bein kaum mehr drüberkriegt , wusste ich für was mein Abgängergeld drauf gehen würde. Ich kaufte sie meinem Vater also ab und stellte sie meiner Freundin zur Verfügung. Die Black Suzi war viel zu schade um von ihr gefahren zu werden ;-). So hatte ich also drei Mopeds: Zwei zum Fahren und eine zum - wie ich es nenne "spielen". Nachdem der Teileträger gefristet war und lief, baute ich am selben Tag schon den Motor aus und machte mich daran, das Motorrad aufzuarbeiten.
Nach etlichen Stunden im Keller, steht sie nun optisch fabrikneu, aber zum Cafe Racer (inklusive 38PS-Nocke) umgebaut im Haus, wartet auf die neuen Reifen und die finale Abnahme des TÜVs.
   
Dann im Juni 2007 das nächste Angebot: SUZUKI GS 550, Reihen-Vierer, BJ 80, läuft schlecht, falls sie läuft, und nur 150 EUR. Ich dachte nur: "Wann kann ich sie abholen?"
Aber warum schreibe ich den ganzen Roman?
Ich wollte nur zeigen, dass es sie noch gibt: die jungen Schrauber, die die alten Werte achten und erhalten möchten. Die Model- und Zeitgeschichte erhalten wollen und nicht auf Neuteile, moderne Motorräder oder Autos, DB-Beschränkungen, Katalysatoren stehen, die nur auf Höchstgeschwindigkeit und Optik achten. 
Ein schnelles Motrorrad schnell zu fahren, ist keine Kunst. Aber mit einer GS 400 die großen Bandits, BMWs und Fazers dieser Zeit im rheinischen Mittelgebirge abzuhängen, dass ist der Grund, warum ich schraube. Das ist Kunst.

   
Grüße vom Mittelrhein Volker

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