Bernd entdeckt sein Ding

Hallo,
möchte hier mal kurz mein Erlebtes mit einer Suzuki GS 450 L zum Besten geben.
Aus mir zum damaligem Zeitpunkt unerklärlichen Gründen, ließ ich mich dazu verleiten, eine seit 6,5 Jahren in einer nordischen Scheune verweilende vergessene Suzuki GS 450 L abzuholen und mit nach Berlin zu nehmen. Da stand sie nun in meiner Werkstatt: klein, verranzt, verrostet und schwieg.
Nach einem ersten Probesitzen auf dem Mopedchen stellte ich fest, dass ich zu lange Beine für die Fußrasten habe, der angedeutete APE-Hänger, auch wenn ganz nach vorn übergestellt, mich immer noch auf dem Soziusplatz verwies. 
Alles klebte und war vergammelt, Chrom war nur noch ansatzweise zu erahnen, von der dezenten in tüchtiger deutscher Sattlerkunst gezauberten Fransen-Sitzbank mal ganz zu schweigen.    
Zugegeben, Liebe auf den ersten Blick ist 'was anderes. Aber man soll ja nicht nur auf das Äußere schauen, nein auch die inneren Werte zählen.
Eigentlich wusste ich mit dem Ding nichts anzufangen, so legte ich den 3 Gang ein, schob das Moped ein paar mal hin und zurück. Was mir zeigte: der Motor war schon mal nicht fest.
Ich der es eigentlich besser wissen müsste, aber nun voller Ungeduld und neugierig, wie ich das Ding zum Laufen bekomme, zottelte mir eine Autobatterie nebst Überbrückungskabel ran, linken Seitendeckel ab, ran an den Starter und Masse an den Gepäckträger, Schlüssel rum .....Nichts, Nada, Zero, Null? Wusste doch, das Ding taucht nichts, will das Kabel wieder abnehmen und stelle fest, über den Blätterteig am Gepäckträger wird nichts geleitet, auch keine Masse.
Also Kabel an die Steckachse vom Hinterrad, Schlüssel rum: Lämpchen für Öldruck und Leerlauf leuchten, Choke am Lenker ganz auf, Bremsenreiniger in den Riss zum Luftfilterkasten vernebelt, Startknopf gedrückt 1x, 2x und 3 .... nee nicht nötig, dass Ding läuft, mit dem altem Sprit und dem altem Öl. Und die läuft nicht mal schlecht, klingt ganz gesund, als wäre sie vor einem Monat abgestellt worden.
Auch nach 10 Minuten läuft sie sauber, kein Qualmen aus dem Auspuff, keine Überlaufenden Vergaser, kein Schwitzen am Zylinder selbst die Gabel-Simmeringe dichten wie sie sollen.
Alles leuchtet, alles blinkt, alles dreht und bewegt sich! Na ja, zugegeben, die ersten Pluspunkte hat die Suzuki damit bei mir gewonnen.

Damit es nicht zu lang wird, auf die Schnelle: Alles abgebaut, bis auf Motor und Kabelgefummel, alle Flüssigkeiten und Öle raus, weg mit allen Filtern, Bremssattel und Vergaser abgebaut und gereinigt. Neue Filter, neue Flüssigkeiten rein.
1 Meter Dragbar vorn drauf, samt Lenkerendenblinker, Tachogedönst abgebaut, Minitacho im selbst gedrehtem Alugehäuse mit blauer LED-Beleuchtung angebracht, Drehzahlmesser braucht man bei solch Moped nicht. Wer nicht hört, wann geschaltet wird, der sieht es auch nicht. Will ja nicht auf den Nürburgring damit und die Gänge bis in den Roten drehen, um 1/10 Sekunden zu gewinnen. Ey, die ist gedrosselt auf 27 PS.
Im Nachhinein: Die Ganganzeige ist Blödsinn, aber die kleine grüne Lampe für die Leerlauffindung, die hätte ich behalten sollen.
Mit dem Umbau ging es weiter: 130 mm Scheinwerfer von 1936 umgerüstet auf H4 Licht nebst E-Prüfzeichen angebaut, Einzelsitz von einer 39er NSU verbaut, LED-Mini-Rücklicht hinten angebracht, für die Blinden hinter mir, Bulletblinker hinten zusätzlich montiert. Andere Reifen drauf, alles in Güllebraun lackiert, Motor, Gabel und Felgen in schwarz, eine 2 in 1 BSM-Tüte ran - nun klingt das! Links einen Lenkerenden-Spiegel ran und siehe da, ich bringe meine 185 cm ganz gut unter und ab zum TÜV !!
Der mich gesehen und kopfschüttelnd weggedreht: Lenker viel zu breit, ein Spiegel geht gar nicht (ist bis 1989 erlaubt, aber beim TÜV nicht gern gesehen), Scheinwerfer ist ja so klein, da kann ja kein Licht raus kommen (sein Wortlaut). Er hat einmal zu tief reingeschaut und seine Augen leuchteten nach 30 Minuten immer noch, ein neuer Reflektor nebst neuer Birne wirkt Wunder. Solositz: Dann müssen die Fußrasten ab und wird nur als Einsitzer eingetragen. Wollte ich aber nicht, falls die Perle mal mit will. Ja, und ein vorderes Schutzblech hält er auch von Nöten.
Also noch mal ran: Schutzblech angebaut, 2 große (sehr große, extragroße) Rollerspiegel angebaut, Sitzbrötchen gebastelt, Betriebserlaubnis für den Lenker besorgt und wieder hin.
Er sagte nichts mehr, aber sein Kopfschütteln war immer noch da. Er hätte noch gern 'ne Reifenfreigabe und einen Halteriemen für den Soziussitz. Mein Angebot, mir einen Gürtel um die Hüfte mit Halteschlaufen zu legen, stieß nicht auf seine Zustimmung. Naja, Reifenfreigabe war besorgt, Riemen angeschraubt, Lenker wurde eingetragen, alles andere mehr oder weniger geduldet und ich bekam die Plakette. 
Jetzt 2500 Kilometer später kann ich sagen, die GS 450 von Suzuki ist ein verkanntes Modell, vor allem von mir. Ja, die Liebe wuchs stetig, zumal sich das Ding echt gut fährt und nicht mal langsam!
Sicher ist meine Fireblade mit 156 PS einen Tick schneller, aber die ist mir inzwischen viel zu hektisch. Außerdem bin ich mit der Suse mehr aufgefallen. Ich fand sie schön, aber andere auch und nun ist sie weg, nicht geklaut, sondern verkauft. Trauer ihr schon hinterher ... aber hab 'ne Neue, um mich über den Verlust hinweg zu trösten, eine GS 450 TS-TX mit 41 PS 
Natürlich Solositz, natürlich schwarz matt, natürlich mit selbst gebauter MOTAD 2in1 Anlage. Da staunt so mancher 600er Fahrer! Mal sehen, was ich mit der noch anstelle. Meine Fireblade fängt langsam an, sich zu langweilen. Also wer Interesse hat ... ich bin aus dem Alter raus.

Wenn eure Susi mal nicht mehr richtig läuft, patscht, ausgeht, Sprit aus dem Luftfilterkasten läuft, ihr alles andere und Vergaser gecheckt habt, schaut euch die Ansaugstuten der Vergaser zum Zylinder hin an, am Besten abbauen.Diese sind oft rissig und weil sie unter Druck am Zylinder sitzen, sieht man feine Risse oder Ablösungen erst, wenn man sie in der Hand hat und etwas hin und her bewegt. Nebenluft mögen diese 2 Zylinder gar nicht.
Immer wieder gern genommen: Ölverlust aus der Schaltwelle, sieht doof aus, macht alles dreckig und schadet der Umwelt. Neuer O-Dichtring kostet 3,50 EUR, Motordeckel an der Schaltklaue abschrauben, lange selbst-schneidene Holz- oder Blechschraube in den alten Dichtring reinschrauben, den Schraubkopf mit einer Zange packen und etwas Links-Rechts-Bewegungen bei gleichzeitigem leichten Zug und schon ist er raus. ÖL fließt bei stehenden Motor keines raus, auch muss das Moped nicht auf die Seite. Nur auf den Hauptständer und gut ist. Neuen O-Dichtring gut einfetten, 17 mm Kerzensteckschlüssel nehmen, Dichtring über die Schaltwelle schieben, Kerzenschlüssel über die Schaltwelle stülpen und vorsichtig gleichmäßig der neuen Dichtring rein treiben und fertig.
Habe demnächst eine Menge GS 450 Teile auf meiner Homepage www.BTB-BIKE.de. Ansonsten einfach mal melden, wenn jemand was braucht.

Und immer unfallfrei!
Kontakt: Bernd

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