Kleinvieh macht auch Mist

Irgendwie musste ich mein Studium und meine GS 400 finanzieren. Also wurden alle Mofa-Wracks gekauft, die ich entdeckte. Ein paar Hundertmark-Scheine waren beim Weiterverkauf immer drin.

Nr 11 bis 14 - Taschengeld-Mofas
Nr 11 war 1976 das Mars-Mofa, ein echtes Arbeitstier. Gefühle konnten bei einer Leistung von nur 1 PS natürlich nicht aufkommen, doch versah es klaglos seinen Dienst. Es wurde damals in Versandkatalogen und über Kaufhäuser vertrieben. Der Motor war ruppig und laut. Die 1-Gang-Automatik kannte nur zwei Zustände: aus- oder eingekuppelt.
Gekauft habe ich sie von einer schnuckeligen Schülerin. Nach ein paar Runden in Darmstadt und ohne große Restaurierung wurden sie mit schmalem Gewinn weiterverkauft.

Es gibt kaum etwas Französischeres als Rotwein, Baguette und das berühmte Velosolex. Es diente unzähligen Hausfrauen, Bauern, Schülern und Studenten als preiswertes Fortbewegungsmittel … wenn es denn tatsächlich voranging. Der schmalbrüstige Motor auf dem Vorderrad gab der Fuhre per Reibrad Vortrieb. Wenn es mal regnete, hieß es Strampeln. Auch leichte Berge waren für das Velo ein Riesenproblem.
Das Velo war meine Nr. 12 und ich habe sie 1976 nur ganze 2 Wochen besessen.

Noch so ein Schuppenfund war sein Velo Typ 6000. Der Name war Programm - ein wirkliches Zukunftsvelo. Es besaß den Motor der normalen Ausführung, der jedoch das Hinterrad über eine Kardanwelle antrieb.
Der war beim Kauf im Frühjahr 1977 natürlich hinüber, doch ein Händler im lieferte gebrauchten Ersatz zu einem günstigen Preis.
Als nach 2 Monaten Basteln die Nr. 13 endlich lief, verkaufte ich sie an einen aufgeregten Bub, dessen Mutter aber gar nicht so begeistert war.

Vielleicht war es der italienische Charme der die Vespa Ciao zu einem echten
Mädchen-Mofa werden ließ. Sie war nett, ausreichend flott und unkompliziert. Meist waren sie in den üblichen “Schockfarben”, also giftgrün, orange oder knallgelb lackiert.
Was für ein Bild, die hübschen Hippie-Mädchen mit wehenden Haaren und
Schlaghosen auf Vespas zu sehen, wenn sie auf dem Weg zur Schule, einem Cafe oder zu einem “Sit in” waren.

Ich bekam meine Ciao (Nr. 14) von der Freundin einer Freundin. Sie sprang nicht mehr an und war ziemlich
vernachlässigt. Doch mit gereinigtem Vergaser, neuer Zündkerze und frischer Lackierung fand sie 1977 schnell eine neue Besitzerin.

Nr. 15 und 16 - Das Zweitmoped
Immer noch in der Boomzeit der Kleinkrafträder löste Honda die C 110-Baureihe durch die eine modernere ab. Der Motor war für eine 50-er sehr fortschrittlich: liegender Zylinder, obenliegende Nockenwelle mit Kettenantrieb. Beibehalten wurde das Prinzip des Preßstahlrahmens, jedoch ergänzt mit einer ölgedämpften
Telegabel, größere 17”-Räder, einer längeren Sitzbank und schmalen, damals hochaktuellen Chromschutzblechen. Der Auspuff blieb gegen den Trend geländemäßig hochgezogen. 

Meine  niedliche Nr. 15, die SS 50 war als Zweitfahrzeug für die Stadt gedacht. Sie wurde mit einem 65 ccm-Satz als Motorrad zugelassen und kostete nur ein paar Mark Steuer und Versicherung. No. 16 diente
als Ersatzteilträger.
Ich fuhr sie gerne und die Frau an meiner Seite machte auf ihr die ersten Fahrversuche. Schade, dass wir sie 1979 verkaufen mussten.

 

  
© Michael (25.11.03 )    [Start]